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Wohin wird die Entwicklung noch führen?

von Helga Hilke | 29. Juli 2008

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Kaum zu glauben: Als ich geboren wurde, gab es in Europa nur einen einzigen funktionierenden frei programmierbaren Computer. Es war damals weltweit der einzige kommerziell gehandelte Computer (Zuse Z4).

Als ich die Schule besuchte, gab es in der Schule keine Computer! Es gab auch keine Taschenrechner! Die waren noch nicht erfunden. Lediglich ein Rechenschieber stand als Hilfsmittel zur Verfügung. Meine Mutter benutzte für Buchhaltungszwecke eine mechanische Tischrechenmaschine.

Als ich dann Mathematik mit der Spezialisierung Numerik studierte (die Studienrichtung Informatik gab es noch nicht), gab es bereits eine Vielzahl von Rechnern. In älteren Kriminalfilmen kann man solche Monstren von Computern aus dieser Zeit sehen. Sie waren nicht für das Wohnzimmer gedacht. Uns wurde während des Studiums lediglich ein Rechner gezeigt. Mein Studienbuch verrät mir, dass es eine „Odra 1013“ war. Wir durften sogar einmal einen Job starten. Durch einige kleine Übungen bekamen wir eine Vorstellung der Tätigkeit eines Operators. In der Programmiersprache Algol schrieben wir Programme für den R300 auf dem Papier. Selbst eingeben und compilieren durften wir die Programme nicht. Die Blätter haben wir in der Datenerfassungsstation abgegeben. Wir erhielten dann Ausdrucke mit Fehlermeldungen oder mit den berechneten Werten.

Selbst als ich in einem großen Unternehmen dann Programme zur Optimierung von Chemieanlagen schrieb, durften wir Programmierer nicht selbst an den Rechner von Honeywell. Auch als ich im selben Betrieb verantwortlicher Mitarbeiter für die Einsatzplanung und die Anwendung der EDV in der Hauptabteilung Planung Wissenschaft und Technik war, habe ich in Arbeitsgruppen (heute sagt man wohl Projektgruppe dazu) Lösungsvorschläge diskutiert und diese auf dem Papier als Pflichtenheft notiert.

Welch ein erhebendes Gefühl war es, als mir nach 12 Jahren (!) Berufserfahrung als einer der ersten Mitarbeiter des Betriebes ein Personalcomputer A5120 (ohne Festplatte, nur mit Diskettenlaufwerk) zur Verfügung gestellt wurde. Es hat riesigen Spaß gemacht, der Maschine Ergebnisse zu entlocken! Aber: die Erwartungshaltung der Chefs war groß! Mittels MOPS (Maschinenorientierte Programmiersprache) oder Pascal sollte ich ganz schnell für die Ökonomieabteilung nutzbare Programme schreiben! Sie (die Chefs) konnten sich nur schwer vorstellen, dass Programmierung zeitaufwändig ist. Wie gut war es, dass recht schnell Multiplan zur Verfügung stand (dies ist der Vorgänger von Excel)! Nun konnten die Mitarbeiter kaufmännische Berechnungen selbst vornehmen, nachdem ich sie in das Programm eingewiesen hatte. Alle waren begeistert. Aber man bemerke: für etwa 100 Mitarbeiter gab es zunächst nur diesen einen einzigen Personalcomputer!

Recht bald kam ein zweiter Stand-Alone-Rechner, ein PC1715. Immer mehr Mitarbeiter schulte ich. Und die Mitarbeiter wollten dann auch wirklich mit dem Computer arbeiten! Der Andrang war riesig. So waren wir froh als wir ein Rechnernetz von 8 Computern P8000 mit einem Unix-Derivat als Betriebssystem bekamen. Nun waren es schon 10 Rechner für 100 Mitarbeiter. Es war zu erkennen, dass die Computerzahl rasant steigt. Und es war zu erahnen, dass es immer mehr Menschen geben muss, die Software für die vielfältige Computernutzung entwickeln.

Es dauerte dann auch nicht lange, bis wir zu Hause einen eigenen Computer hatten. Wie viel Geld wir damals dafür hinlegen mussten! Mit einem Computer zu Hause waren wir damals jedoch die Ausnahme! Die meisten Leute belächelten uns. Sie fragten skeptisch, wozu man denn zu Hause einen Computer braucht!

Heute bin ich in der Aus- und Weiterbildung tätig. Es ist bei Comhard selbstverständlich, dass jeder Mitarbeiter einen eigenen Arbeitsplatzcomputer hat. Ebenso ist sicher, dass jeder Student bei uns während der Aus- und Weiterbildung allein an einem Computer sitzt. Nur im Ausnahmefall findet der Unterricht in einem Theorieraum statt. Im Labor dürfen Computer sogar in Einzelteile zerlegt werden. Es dürfen Funktionsgruppen eingebaut, Software installiert und Computer vernetzt werden. Selbstredend werden immer wieder Investitionen vorgenommen, um modernste Technik und aktuelle Software bereit zu stellen. Und natürlich darf (muss) jeder, der Anwendungen entwickelt, seine Programme selbst compilieren und testen. Auch die Entwicklung von Programmen für den PDA und andere moderne Geräte ist möglich.

Themen: Kursorganisation | 1 Kommentar »

Ein Kommentar zu “Wohin wird die Entwicklung noch führen?”

  1. Torsten LangeNo Gravatar schrieb am:
    30. Juli 2008 - 10:48

    Ich denke, dass wir an einem Wendepunkt im Bereich der “Endverbraucher”- Computertechnik angekommen sind. Es ist zu beobachten, dass die Entwicklung und der Vertrieb von sparsamen und leistungsoptimierten Computern zunimmt. Diese werden kleiner, bezahlbarer und nur noch das Nötigste an Ausstattung mitbringen. Green-IT ist das Stichwort. Die großen Hersteller haben das, so glaube ich, schon erkannt. Beispiele: Mini-MAC, XC-Mini, EEE-PC oder Studio Hybrid.

    Im Übrigen hatte ich 1987 meinen ersten Computer bekommen, einen KC85/2. Danach einen Bausatz Z1013 und einen KC87. Im Jahr 1990 einen ausrangierten A5120 mit UDOS und MUTOS als Betriebssystem.
    Letzterer war ein kleiner Energiefresser, weit entfernt von Green-IT! :-)
    Im Übrigen ist der KC85 heute noch in meinem Besitz und! er funktioniert noch.

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