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Und – was hat’s gebracht?
von Helga Hilke | 21. Oktober 2008
Frau Nathalie Denz wurde ein Jahr lang zur Europäischen Reise- und Touristikkoordinatorin ausgebildet. Eine Einschätzung ihrer Weiterbildung gibt sie nachfolgend:
Dank dem Weiterbildungsträger Comhard und einer Fallmanagerin im Jobcenter, die sich einsichtig genug zeigte, mir die Weiterbildungsmaßnahme „Europäische/r Reise- u. Touristikkoordinator/in“ zu genehmigen, habe ich ein Jahr lang die Chance gehabt, mich mit dem Tourismussektor auf dem Arbeitsmarkt und neuen potentiellen Arbeitsfeldern auseinanderzusetzen. Das erste Mal seit Ende meines Studiums weiß ich nun, was mich eigentlich konkret erwartet, wenn ich mich auf eine Stelle bewerbe. Vorher war das immer recht schwammig gewesen, vor allem weil ich mich als Geisteswissenschaftlerin oft auf Stellen im PR-Bereich beworben habe, für die es keine einheitlichen Jobbeschreibungen gibt; „Mitarbeiter/in in der Öffentlichkeitsarbeit“ ist nicht irgendwie rechtlich geschützt.
Als der Kurs Anfang September 2007 begann, war ich als erstes sehr angenehm von der Perspektive überrascht, alle ausgegebenen Bücher am Ende auch behalten zu dürfen. Spontan erinnere ich mich an ein sehr gutes „English for Tourism“- Lehrbuch, an ein modernes Langenscheidt-Wörterbuch Englisch-Deutsch/ Deutsch-Englisch, an ein gut aufgebautes Bulgarisch-Lehrbuch inklusive CD und Wörterbüchern, an ein Handbuch „Tourismus“, das wissenschaftlich fundiert und auf dem aktuellen Stand der Dinge ist, an verschiedene EDV-Handbücher. So gerüstet hat sich der Kurs EU RT 05 etwa ein dreiviertel Jahr theoretisch mit dem beschäftigt, was dann im sonnigen Bulgarien Praxis und Realität, Belohnung und Bewährungsprobe zugleich, wurde: Je nach Interesse und Befähigung gab es verschiedene Einsatzfelder in der Kurverwaltung, im Hotel- und Gaststättengewerbe oder bei der Incoming-Agentur Albenatours in Albena, direkt am Schwarzen Meer. Ich selbst hatte wegen persönlicher Vorbehalte gegen in Massen am Strand bratende Badeurlauber eine andere Destination gewählt: Poda, ein kleines Naturschutzgebiet wenige Kilometer südlich der Hafenstadt Burgas, das alljährlich zahlreiche Touristengruppen und Individualreisende anlockt. Dort lebte ich mit 3-4 anderen recht jungen PraktikantInnen aus Deutschland zusammen, die allerdings eher aus Gründen des Naturschutzes und aus biologischem/ ornithologischem Interesse gekommen waren als – wie ich – aus touristischem. Ich habe mich dort vor allem als Reiseleiterin geübt.
Nach elf Wochen Bulgarien, eine Zeit, die nicht nur Arbeit, sondern auch Auszeit und in vielerlei Hinsicht auch Neuorientierung und Neubesinnung war, wurde ich mit der viel befürchteten Frage konfrontiert: „Und – hat’s was gebracht?“ – Natürlich kommt man in den allerseltensten Fällen mit einem Arbeitsvertrag in der Tasche wieder nach Hause, das war uns allen mehr oder weniger klar. Erst recht, wenn man bedenkt, dass Bulgarien zu den ärmsten Ländern Europas zählt und selbst mehr Arbeitswillige als gut bezahlte Arbeitsplätze hat. Ich denke, es ist ein anderer Gewinn, ein zutiefst persönlicher, den der eine oder die andere aus dem fernen Bulgarien mitnehmen konnte und der sich mittelfristig durchaus darauf auswirken kann und wird, wie er oder sie sich als Arbeitssuchende/r auf dem (Europäischen) Markt der Stellenausschreibungen behauptet. Sich im internationalen Kontext bewährt zu haben, nicht gescheitert zu sein, wird viele motivieren, an ihrem Englisch (oder ihrem Bulgarisch) weiterzuarbeiten. Einige von uns haben immer noch ziemlich intensiven Kontakt zu den dortigen Ex-Kollegen, das zeugt davon, das sie echte Qualitäten haben: menschliche, soziale, kollegiale. Sind das nicht, zumindest teilweise, die viel gepriesenen „Soft Skills“? – Wenn die positiven Erfahrungen in Bulgarien, als Mensch ehrlich wertgeschätzt worden zu sein, einige von uns selbstbewusster sein lässt, so ist in deren Persönlichkeitsentwicklung viel erreicht. Selbstbewusste Menschen wissen, was sie wollen und können sich bei Bewerbungsgesprächen besser „verkaufen“.
Für mich persönlich kann ich ein durchweg positives Fazit ziehen. Besonders durch die Anregungen von Frau Meyer, Herrn Reimer und Frau Ostwald im Hinblick auf Bewerbungen/ Stellenangebote im Tourismusbereich habe ich das seit langem vermisste Gefühl einer gewissen Sicherheit bei der Selbstdarstellung erlangt. Durch unsere wunderbaren, sehr unterschiedlichen, Englisch- bzw. Bulgarischlehrer(innen) wurde ich in meinem Wissen bestärkt, dass Fremdsprachen und der Austausch darüber großartig und verbindend sind. Der Bulgarischaufenthalt hat mir drastisch vor Augen geführt, wie wohlhabend und wie übersättigt Deutschland noch immer ist, wie wenig ich brauche zum Zufriedensein, (vorausgesetzt es gibt genügend Sonne
) und dass es keinen Grund für Zukunftsängste gibt. Im Augenblick bewerbe ich mich mit Lust und Freude als Reiseleiterin und Gästebetreuerin – und mit Neugier auf das, was da kommt. Einen besonderen Dank möchte ich an dieser Stelle Frau Helen Paech, unserer Kundenbetreuerin, aussprechen, die durch ihre erfrischende, unkonventionelle Art vieles möglich gemacht hat, was unmöglich schien. Sicherlich eckt sie in unserer bürokratischen Welt mitunter an, das ist aber nur die Kehrseite derjenigen, die furchtlos und kreativ nach Auswegen sucht, wo andere schon lange aufgegeben haben. In gewisser Weise hat sie damit sogar Vorbild-Funktion.
… viele neue Erfahrungen und Erkenntnisse, gute Einblicke in den Tourismusmarkt, Bulgarisch- und Bulgarienlandeskenntnisse, ein Englischzertifikat der Englischen Industrie- und Handelskammer, einen Bulgarien-Sommeraufenthalt am Schwarzen Meer, eine Handvoll nützlicher Bücher und mehr Persönlichkeit… – DAS hat’s gebracht. Fürs erste. Na also.
Nathalie Denz
Berlin, im Oktober 2008
Themen: ESF, Integration in Arbeit, Praktikum, Teilnehmer berichten | 5 Kommentare »
22. Oktober 2008 - 16:49
Liebe Nathalie,
vielen herzlichen Dank für deinen wunderbar informativen Beitrag! Ich bin sehr glücklich doch so positiv eingeschätzt zu werden. Ich werde auch in Zukunft alle unterstützen, die reges Engagement bei der Jobsuche an den Tag legen, dafür bitte den nachstehenden Link verfolgen:
http://www.stelle-statt-stuetze.de/arbeitssuchend.html
Teilnehmer aus der EU RT 07 haben sich dort z. B. als Reiseleiter beworben.
Dir noch viel Glück und die feste Zuversicht eine erfüllende, bezahlte Tätigkeit einzugehen!
Herzliche Grüße
Helen Paech
23. Oktober 2008 - 08:17
Ich möchte mich nicht nur bei Frau Helen Paech, sondern bei der ganzen Verwaltung und den Dozenten von Comhard bedanken, denn der Kurs EU RT 07 hat meine Kenntnisse in der Tourismusbranche aktualisiert. Meine Computerberührungsängste habe ich überwunden.
Mit freundlichen Grüssen
Tanja Dittmar
23. Oktober 2008 - 08:22
Sehr geehrte Damen und Herren,
eine Teilnehmerin des Lehrgangs “Touristik-Koordinator-Bulgarien (EU RT 07) möchte ein paar Worte los werden.
Da ich 10 Jahre lang als Reiseleiterin tätig war, fand ich diese Qualifizierung spannend und lehrreich. Alte Kenntnisse und Erfahrungen habe ich aufgefrischt und und neue Kenntnisse erworben. Unterrichtsstunden bei Dozenten wie Frau Taegener (leider sehr kurze Zeit), Frau Kowalska, Herr Liske, Frau Kantschewa und Frau Paech waren tatsächlich eine Bereicherung.
Im Moment habe ich mich als Fremdenführerin in Berlin beworben. Falls ich das Glück habe, angenommen zu werden, melde ich mich bei Euch.
Herzlichen Dank auch an alle anderen Mitarbeiter.
Mit herzlichen Grüßen
Petia Springer
3. Januar 2009 - 13:50
Liebe Nathalie,
ich schicke Dir viele Grüße aus München, in dem ich mich sehr wohl fühle. Ich wünsche Dir fürs Neue Jahr alles Gute!
und falls Du mal in Freising bist, meld Dich doch mal bei mir! Vielleicht könnten wir einen Tee trinken gehen. Dein Artikel hat mir sehr gut gefallen, liest sich sehr gut. Es freut mich mal wieder aus Deinem Leben gehört zu haben.
Alles Gute
Brigitta
7. Februar 2009 - 13:04
Hallo Frau Denz,
mit großem Interesse habe ich Ihren Beitrag gelesen. Besonders freue ich mich darüber, dass Sie mehr Sicherheit erlangen konnten und allgemein, dass Ihnen die Maßnahme etwas gebracht hat und Sie Ihren touristischen Horizont erweitern konnten.
Herzliche Grüße
Ihr Christian Reimer