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Eine Übung ganz anderer Art

von Helga Hilke | 9. Oktober 2009

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Es war am Mittwoch 10:42 Uhr. In der FI18 programmierten alle gerade ihr VB.Net – Projekt. Sie setzten ihren selbst erstellten Zeitplan um. Auf einmal bemerkten zwei der Kursteilnehmer Qualm durch die Türritze durchkommen. Fast zeitgleich ertönte ein akustisches Signal und laut wurde „Alaaaarm“ gerufen. Einer fragte: „Ist das ernst zu nehmen?“ „Ein so deutliches Rufen muss man ernst nehmen!“ entgegnete ein anderer. Dennoch fiel es einigen bei so voller Konzentration schwer, von der Arbeit los zu lassen! Auch wurde überlegt, ob erst eine Datensicherung vorgenommen werden müsste. Es wäre ja wohl schade, wenn man später mit dem Projekt von vorn beginnen müsste! Ein anderer wollte erst noch den angezeigten Fehler im Projekt beseitigen.

Dieses Schild sahen wir im Qualm nichtLetztendlich hörten alle auf meinen Hinweis, dass sich schräg gegenüber eine Fluchttür befindet und unbedingt diese zu nutzen sei. Die meisten ramschten ihre Jacken und ihr persönliches Hab und Gut. An das Schließen der Fenster dachte niemand. Oh je! Bei dem Qualm waren die Fluchtweghinweisschilder überhaupt nicht zu sehen! Die Tür erspürten wir dennoch. Die Strecke über den Innenhof des Gebäudes bis zum vorgesehenen Treffpunkt im Notfall war ganz schön lang. Er wurde im Spaziergang absolviert. Anhand des mitgenommenen Klassenbuches konnte ich die Vollzähligkeit meiner Truppe feststellen. Nun musste ich einen Verantwortlichen suchen, dem ich die Vollzähligkeit übermitteln konnte. Es dauerte eine Weile bis ich jemand entdeckte, der die Klassenbücher einsammelte!

Es ist bei uns alles gut gegangen. Jeder konnte sich „retten“. Was wäre aber gewesen, wenn ich gerade zu diesem Zeitpunkt gerade mal einige Kopien angefertigt hätte? Was wäre im Ernstfall, wenn tatsächlich jemand nicht mitkommt? In der relativ langen Zeit bis zum Eintreffen am Sammelpunkt wäre derjenige im Feuer verschmort. Der Hinweis, dass noch jemand fehlt, hätte wohl kaum noch genutzt, um die Person zu retten! Deshalb schätzten einige ein, dass wir alles wohl noch einmal üben müssten!

Natürlich wurde die Räumungsübung sofort durch die Verantwortlichen ausgewertet. Insgesamt wurde eingeschätzt: Die Räumung des Comhard-Territoriums erfolgte innerhalb 5 Minuten. Die Vollzähligkeitsprüfung war 10:54 Uhr abgeschlossen. Damit war die Übung insgesamt gelungen. Dennoch gab es einiges zum Auswerten:

Auch eine Rollstuhlfahrerin musste evakuiert werden. Das Treppenhaus war viel zu schmal, um Rollstuhlfahrer mit Rollstuhl zu tragen.
Jacken und Taschen sollen nicht mitgenommen werden. Im Ernstfall sind diese bei möglicher Panik hinderlich.
Die Fenster in den Räumen sind zu schließen.
Zu Beginn jedes Kurses wird schon immer über das Verhalten im Katastrophenfall belehrt. In den Langzeitkursen ist diese Belehrung zukünftig häufiger durchzuführen.
Alle Dozenten sind noch einmal darauf hinzuweisen, dass das Klassenbuch mitzunehmen ist, um die Vollzähligkeit zu überprüfen.
Es ist von allen zu beachten, dass sich der Sammelpunkt auf dem Spielplatz Herzbergstraße / Paul-Zobel-Straße befindet.

Die Projektarbeit der FI18 konnte nach der Mittagspause fortgesetzt werden. Der persönliche Zeitplan ist damit etwas durcheinander geraten. Dennoch stimmten alle darin überein, dass solche Übungen unbedingt erforderlich sind.

Themen: Teilnehmer berichten, Unternehmensführung | 10 Kommentare »

10 Kommentare zu “Eine Übung ganz anderer Art”

  1. T. StoffNo Gravatar schrieb am:
    9. Oktober 2009 - 16:20

    Liebe Frau Hilke,
    auch wenn Ihr Bericht hier und da recht amüsant zu lesen ist, möchte ich die Gelegenheit nutzen einige Dinge zu berichtigen. Als Teilnehmer der FI18 kenne ich auch die Sichtweise „aus der letzten Reihe“ :-) .
    Wie Sie schon schrieben, waren wir in der Projektarbeit sehr vertieft. Wir wurden jedoch schon wenige Augenblicke vor dem Alarm von Geräuschen gestört, die einem Staubsauger sehr nahe kamen. Das ist auch sehr wahrscheinlich der Grund für die Frage, ob das laute Rufen und das Tröten der „Fußball-Dosenfanfare“ ernst zu nehmen seien. Die dadurch aufkommenden Sprüche wie „Na dann werd ich mir mal schnell mein Laufwerk P auf den USB-Stick kopieren“ und „Ich muss erst noch schnell die Fehler beseitigen“ waren mit Sicherheit nicht ernst gemeint.

    Auch möchte ich an dieser Stelle unseren „Klassensprecher“ lobend erwähnen. War er es doch, der beim Rausgehen kontrolliert hat ob alle Fenster zu sind. Und ja, wir haben diese geschlossen. Ich selbst habe 2 geschlossen. Auch hat sich unser Klassensprecher an der Tür zum Treppenhaus vergewissert, dass alle aus dem Klassenraum raus sind.

    Was wir aber fast alle „verbrochen haben“ ist, das persönliche Hab und Gut zu ramschen. Klar, wer will das schon zurücklassen :)

    Ich bin mir sicher, dass es ohne die „Staubsauger“-Vorwarnung anders abgelaufen wäre und dass es beim „noch einmal üben“ besser laufen wird.

  2. Helga HilkeNo Gravatar schrieb am:
    9. Oktober 2009 - 18:32

    Hallo Herr Stoff,

    Ihre Worte machen allen das Niveau und den Zusammenhalt der FI18 deutlich. Beim Treppen laufen sorgten sich einige, dass wir nicht auf die Fenster achteten. Als wir wieder hoch kamen, waren einige Fenster geöffnet. Offensichtlich hat da schon wieder jemand den “Alarmqualm” beseitigt. Deshalb meine Schlussfolgerung, dass wir die Fenster vergaßen.

    Somit muss ich mir also keine Sorgen machen, was wohl passiert wäre, wenn ich nicht im Raum anwesend gewesen wäre… Dennoch denke ich, dass in die allgemeine Belehrung eine Passage aufzunehmen ist über das Verhalten im Ernstfall, wenn kein Comhard-Verantwortlicher in der Nähe ist.

    Mit meiner Beschreibung wollte ich auf keinen Fall die FI18 in ein schlechtes Licht rücken. Es tut mir leid, wenn es so aufgefasst wurde. Wir werden den Beitrag am Dienstag noch einmal auswerten. Für die Aufmerksamkeit der FI18 bedanke ich mich an dieser Stelle. Ich freue mich schon auf Dienstag, wenn wir wieder am Projekt arbeiten.

  3. Uwe SchraderNo Gravatar schrieb am:
    9. Oktober 2009 - 19:07

    Hallo Frau Hilke und hallo liebe Leser
    (die hoffentlich durch “Mundpropaganda” zahlreich hier erscheinen und lesen werden!!).

    Hier ein persönliches Erlebnis, welches die absolute Notwendigkeit von Übungen – und seien sie noch so vorhersehbar oder durchschaubar – aufzeigen soll:

    Eine Fabrik Ende der 90er Jahre…
    wie jedes Jahr zum Herbst wird der Probealarm täglich “erwartet”…

    Plötzlich hört man den Alarm…und man rechnet nicht mehr damit, dass es keine Übung sein könnte… wie jedes Jahr…

    DOCH:
    Nachdem man ganz in Ruhe noch seinen Arbeitsschritt an der Maschine zu Ende verrichtet hat und schnell noch sein Pausenbrot und die Zigaretten für ein gemütliches Päuschen geholt und eingepackt hat, fällt der komplette Strom für die riesige Halle aus! Kein Licht mehr!

    Totenstille… absolutes Dunkel! Und auf ein mal riecht es sehr verschmort und man hört laute Rufe und Schreie!!!

    Zum Glück hatten wir Techniker unsere Kugelschreibertaschenlampen dabei. So konnten wir mit den Produktionshelfer/-innen in Gruppen aus der Fabrikhalle, die zum Glück ebenerdig war, gehen und uns auf dem Hof versammeln.

    Da erst sahen wir, dass es keine Übung war! Der fabrikeigene Hochspannungstrafo war verschmort und hätte beinahe einen verheerenden Brand ausgelöst!

    Wer kann sich vorstellen, was gewesen wäre, wenn sich tatsächlich ein Brand eingestellt hätte und man ohne Licht ins Freie hätte finden müssen!?!? Das kann man sich gar nicht vorstellen… und das möchte man auch niemals erleben!!! Diesen Gedanken habe ich bei jedem Probe-Feueralarm, den ich seit diesem Tage mitgemacht habe…

    Und nun die Frage an alle Leser, die hoffentlich sehr zahlreich meine Zeilen lesen werden!:

    Comhard liegt im 4. bzw. 5 OG… was glauben Sie, wie viel Zeit Ihnen bleibt, wenn aus Übung Ernst wird!?!?!?!?!?

    Übungen sollten, nein, sie müssen absolut ernst genommen werden!!!

    In diesem Sinne hoffe ich auf äußerst rege Beteiligung zu diesem Beitrag!!!

    Uwe Schrader (ehemals FI 15 und Abschluss in BK 16)

  4. Kristin LauterbachNo Gravatar schrieb am:
    10. Oktober 2009 - 15:15

    Für mich persönlich war die Übung sehr aufschlussreich. Ich bin zwar in keiner Klasse eingesetzt, dennoch geht die Sicherheit aller jeden Mitarbeiter der Comhard etwas an. Dass ich Fenster schließen und die Tür unverschlossen lassen sollte, hatte ich schon wieder ganz vergessen. Und ich glaube, ich habe auch nicht den am nächsten gelegenen Fluchtweg genutzt. Die Übung hat mich also mehr oder weniger dazu gezwungen, mich mit dem richtigen Verhalten während eines Feueralarms auseinanderzusetzen.

    Am 19.10. starten bei Comhard neue Kurse und ich werde wieder die Eröffnung in einer Klasse übernehmen. Dieses Mal werde ich mich mit noch größerer Ernsthaftigkeit der Brandschutzbelehrung widmen und mit allen Teilnehmern die nächstgelegenen Fluchtwege ablaufen, damit im Ernstfall unsere Kursteilnehmer nicht erst lange suchen müssen und auch ohne einen Trainer wissen, was zu tun ist.

  5. Uwe SchraderNo Gravatar schrieb am:
    10. Oktober 2009 - 20:11

    Hallo Frau Lauterbach,

    Ihr Beitrag freut mich persönlich sehr!

    Jeder kann seinen Beitrag leisten.
    Vor und SOGAR während eines Brandes!!….

    Vorsorge ist sicher besser…diesbezüglich sollte sich jeder bei Comhard (Teilnehmer, wie Angestellter) seine Gedanken machen…
    …wie ich schon erwähnte…Comhard liegt im 4. bzw. 5. OG!!!!

    Dies sorgt für Probleme, an die kaum ein Mensch denkt.

    Welche Höhe haben 4 Stockwerke?!
    Welche Höhe haben 5 Stockwerke?!
    Wie und wo komme ich ins Freie und unbeschadet davon!?

    Daran denkt normalerweise Niemand…..

    Man sollte aber daran denken!!!!

    In diesem Sinne…

    Beste Grüße

    Uwe Schrader

  6. K. TeiderNo Gravatar schrieb am:
    15. Oktober 2009 - 11:02

    Daran möchte man auch nicht wirklich denken, gerade weil man weiß, in welcher Etage man sich befindet. Als wir während des Probealarms gemütlich die Treppen “herunterspaziert” sind habe ich mir ausgemalt, wie diese Situation im Ernstfall ausgesehen hätte…

    …dichter, in den Augen brennender Rauch… man sieht nichts… man tastet sich durch die Gänge… Schreie… Panik… Stürze…

    weiter will ich gar nicht denken!

    Es ist WICHTIG!, dass man genau weiß, wo die Fluchtwege sind, denn im Ernstfall kann es sein, dass man diese blind finden muss. Ich spreche aus Erfahrung, jedoch musste ich damals nur aus dem Dachgeschoss eines Einfamilienhauses flüchten und nicht aus der 4. oder 5. Etage mit vielen anderen Personen gleichzeitig.

  7. Uwe SchraderNo Gravatar schrieb am:
    15. Oktober 2009 - 21:17

    Hallo K. Teider,

    GENAU so ist “es” – WICHTIG!!!

    Und genau so sind sie, die persönlichen Erfahrungen, die andere nicht ganz so ernst nehmen, wie man selbst….. Auch der ein / oder die andere Dozentin können hier sicherlich ein Wort mitreden….

    Persönlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass Mitstudierende selbstverständlich wissen, wo die nächste Toilette und der nächstgelegene Fahrstuhl für die persönliche Bedürfnispause (rauchen gehen…)…liegen… Letzteres notfalls auch auf der Toilette!!! Aber was wäre, wenn daraus ein Brand entsteht!? Daran mag ebenso niemand denken…

    Ich kann nur sagen, dass die Situation wahrscheinlich eine andere wäre, wenn die Schulungsräume ebenerdig wären… Dies sind sie aber nun mal nicht. Daher ist eigentlich jeder gefordert, der sich bei Comhard aufhält. Seien es die direkten Mitarbeiter von Comhard, die Geschäftsleitung, andere Dozenten und vor allem die “Schüler”, denn diese sind nun ein mal absolut in der Überzahl!!! Dies ist auch eine Art “Verantwortung”, die sich jeder Studierende bewusst sein sollte!!!

    Es würde mich wirklich freuen, wenn es noch mehr Meinungen und Beiträge zu diesem Thema geben würde!!! Mit den besten Grüßen für einen angenehmen Freitag, verbleibe ich

    mit herzlichen Grüßen

    Uwe Schrader

  8. Helga HilkeNo Gravatar schrieb am:
    16. Oktober 2009 - 10:35

    Hallo Frau Teider, hallo Herr Schrader,

    da zu diesem Artikel nun schon viele umfangreiche Kommentare erschienen, reagiere ich mit einem neuen Beitrag.

    Ein schönes Wochenende wünsche ich allen!

  9. Detlev PflughauptNo Gravatar schrieb am:
    20. Oktober 2009 - 15:21

    Eindrücke zum 9. Oktober

    Ich war Schüler der Klasse KTB 02 und bin überzeugter Comhardjaner. Für mich gab es nichts aber auch gar nichts zu meckern!
    Bis auf eine Ausnahme: der 09.10.09
    Es ist natürlich sehr zu begrüßen, Übungen in jeder Form durchzuführen, um im Ernstfall Bescheid zu wissen. Aber es konnten nicht alle gerettet werden!!
    In meiner Klasse gab es eine Rollstuhlfahrin und ich bin auch sehr stark gehbehindert.
    Für meine Mitschülerin gab es keine Möglichkeit, das 5 Stockwerk zu verlassen. Der Fahrstuhl kam natürlich nicht in Frage.
    Es gab genug Helfer, die sich der Sache annahmen. Sie waren aber hoffnungslos überfordert.
    Sie wussten nicht wie sie es anstellen sollen, den Rollstuhl mit samt der Schülerin das Treppenhaus runter zu bekommen. Sie bekam natürlich Angst und blieb da wo sie wahr.
    Es gibt Lehrgänge oder Kurse wo man so was lernen kann.
    Ich werde – wenn gewünscht – mich erkundigen, wo es so was gibt und es an Comhard weiterleiten. Soll ja nicht heißen der meckert nur!!

    Detlev Pflughaupt
    Berliner Behindertenverband
    Vorstandsmitglied

    P.S Ich fühlte mich bei Euch pudelwohl, hat Spaß gemacht und habe auch viel gelernt. Vielen Dank!

  10. Helga HilkeNo Gravatar schrieb am:
    20. Oktober 2009 - 19:37

    Hallo Herr Pflughaupt,

    ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Sie mit der (nicht möglichen) Hilfestellung für die Rollstuhlfahrerin bei der Räumungsübung nicht zufrieden sind. Bitte seien Sie froh, dass es kein Ernstfall war. Solche Übungen sind auch dazu da, um Schwachstellen zu erkennen.

    Unsere Geschäftsführung hat den von Ihnen beschriebenen Fall als große Schwachstelle erkannt. Sie forderte bereits von der Feuerwehr Unterstützung ab. Wir erwarten konkrete Handlungsvorschläge, eventuell auch Transporthilfen. Wenn wir mit den Angeboten der Feuerwehr nicht zufrieden sein können, dann wird sich unsere Firmenleitung gern an Sie wenden, um Unterstützung zu erhalten. Sicher hat der Behindertenverband auch Kenntnis darüber, wie es in anderen Unternehmen gehandhabt wird.

    Auf alle Fälle sind wir daran interessiert, dass nicht nur gesunde Menschen gerettet werden. Ich wünsche Ihnen persönlich viel Kraft, um sich für die Belange der Behinderten einzusetzen.

    Helga Hilke

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