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Erfahrungen im Praktikum in Grand Canaria
von TeilnehmerIn | 29. März 2010
Nach viel anstrengender Zeit im vergangenen Jahr in der Schule Comhard im Kurs “Reiseassistentin für Europa” habe ich eine Chance als Praktikantin im Ausland verdient. Im kalten Januar haben wir beschlossen, als Praktikanten in die warmen Gegenden unseres Planeten zu reisen. Für mich war es gut, mich zu befreien, also einzuarbeiten und mich von den Weihnachts-und Silvesterstrapazen zu erholen. Die Schule Comhard buchte für uns vier Frauen einen Flug nach Gran Canaria – Las Palmas. Die neuen Koffer, die ich mir vom Weihnachtsmann gewünscht hatte, wurden schnell voll gepackt und ganz früh holte mich ein Freund von mir mit seinem Auto ab und wir fuhren zum Flughafen. Draußen lag gerade noch weißer kalter Schnee.
Die Zeit bis wir in Las Palmas waren, verging wie im Fluge und was ich mir einst gewünscht hatte, war in Erfüllung gegangen. Und wie nun die Gedanken schnell noch einmal zurückeilten über warme Länder und das Meer, da war in den positiven Seiten alles schön und gut. Arbeit und Ausflüge- diese beiden Leidenschaften verbinden sich hier zu einem Bericht der besonderen Art.
Unser Praktikantenplatz stellte sich als großes luxuriöses “Vier-Sterne-Hotel” heraus. Zuerst wurden wir durch das ganze Haus und alle Anlagen geführt und alles wurde uns gezeigt.
Ich bekam ein Zimmer mit einer Praktikumskollegin zusammen. Am nächsten Tag begann die Arbeit. Wir drei Berliner Praktikantinnen wurden anfangs für etwa eine Woche in dem großen Restaurant eingesetzt. Dies wurde als eine Probe unseres Mutes und unseres Selbstvertrauens angesehen. Wir haben dort fleißig gearbeitet. Da meine Zimmerkollegin am zweiten Tag ins Krankenhaus musste, habe ich sie dort neben meiner Tätigkeit noch über 5 Stunden betreut. Ich habe ihr gerne geholfen. Meine Mutter sagte immer zu mir: “Jede Hilfe, die wir geben, gestaltet unsere Zukunft gut.“
Die spanischen Mitarbeiter in dem Restaurant waren sehr nett zu mir und es hat Spaß gemacht mit ihnen zu arbeiten, obwohl die Tätigkeit anstrengend war. Die Arbeit hat mir Kraft gegeben. Das Leben ist wirklich einfach – wenn wir Frieden, Harmonie und Ausgeglichenheit in unserer Vorstellung gestalten, werden wir dies auch in unserem Leben wiederfinden.
Mit der Zimmerkollegin, der ich geholfen habe, habe ich dann in der zweiten Woche an der Rezeption gearbeitet. Dort sollten wir eigentlich bis zum 23. März eingesetzt werden. Leider war ich dort nur einen Monat, obwohl ich dort gut gearbeitet habe und es mir dort auch sehr gefallen hat. Das kam mir unsagbar komisch vor. Was ich mir von Anfang an gewünscht hatte, war nicht in Erfüllung gegangen, nämlich in Frieden weiter eingearbeitet zu werden.
Denn zu meinem Bedauern gab es Konflikte ohne Grund meinerseits mit meinem Chef. Der sprach auf einmal nur noch spanisch mit mir, obwohl er vorher deutsch gesprochen hatte. Er wollte mich zwingen, spanisch zu reden, obwohl er wusste, dass ich das nicht kann. Aber an der Rezeption konnte ich mit den Hotelgästen gut in 3 Sprachen kommunizieren, nämlich in deutsch, arabisch und französisch. Leider habe ich nicht die richtige Kollegin gehabt, aber den richtigen Kurs und die richtige Handhabe. Ich wollte die anderen nicht verletzen. So eine Ungerechtigkeit geht gegen meine Existenz, Erziehung, Liebe und Philosophie. Weise Menschen würden das nie tun, was mir die Bösen getan haben. Ich hatte gelernt, niemals mit jemandem zu arbeiten, der es nicht auch wünschte.
An meinem Feiertag fühlte ich mich, dass ich frei und leicht bin, federleicht, als ob ich sogar auf einer Wolke gehen könnte und nicht auf die Erde hinabstürzen würde. Ich bin durchlässig, lasse die Sonnenstrahlen meinen Körper durchdringen und meine Seele erleuchten. Ich begriff, dass es noch viel dunkle Bereiche gibt, aber sie werden ganz allmählich, beharrlich und mutig gereinigt werden.
Das Verhaltnis zu meiner Zimmerkollegin wurde ständig schlechter. Erst konnte ich nicht gut schlafen, weil sie immer schnarcht. Ich habe mich aber nie bei ihr beschwert. Sie machte ständig im Zimmer Unruhe. Sie bereitet sich immer Freude mit dem Neid als Schadenfreude. Wegen ihrer Krankheit musste sie sich oft erbrechen. Sie zog dann noch sehr neidisch über die reichen Gäste her, die glücklich waren und denen es gut ging im Hotel. Ihre Gedanken kreisten immer wieder darum, wie gut es andere haben, wie reich sie sind und wie arm sie dagegen dran ist. Sie kann sich nicht ruhig mit anderen vergleichen, ohne sich abzuwerten. Sie hat meine Zufriedenheit zerstört, machte Intrigen gegen mich und sagte zu mir ich solle kündigen. Ja, die Antwort liegt in einem Satz: sie will mich beherrschen, bevor sie gelernt hat , sich selbst zu beherrschen.
Daraufhin habe ich mich an die zweite Rezeption (PalasoTerapia) versetzen lassen wo alle Mitarbeiter sehr nett waren und wir gut zusammengearbeitet haben.
Meine Zimmerkollegin war jetzt offensichtlich immer noch komisch mit mir, denn als sie um Mitternacht von der Arbeit ins Zimmer kam, wo ich schlief, machte sie laute Geräusche und redete laut auf Englisch auf mich ein, obwohl sie Deutsche ist und wusste, dass ich nicht Englisch spreche. Sie wusste aber, dass ich am nächsten Tag einen Fernsehauftritt bei RTL hatte, die im Hotel mit mir filmten und ich deswegen ausgeschlafen sein wollte. Dann hat sie das Zimmer verlassen, nicht dort geschlafen und sich am nächsten Tag im Büro beschwert über mich… Daraufhin bekamen wir je ein Einzelzimmer und ich hatte meinen Frieden.
Aber nach mehr als 3 Wochen später wurde ich von reichen Freunden aus meiner marokkanischen Heimat (die mich im Hotel als Gäste besucht hatten) eingeladen und wir aßen und tranken in meiner Freizeit letztlich auf der Hoteldachterasse, die für Praktikanten wohl verboten ist. Am nächsten Tag zitierte mich ein Manager ins Büro. Er hatte jetzt einen Grund, den Zwist mit meiner Kollegin zu beheben, indem er mich vorzeitig nach Berlin schickte.
Durch meine Gedanken und Überlegungen verging die Zeit des Rückflugs so schnell wie der Hinflug. Soweit ich zurückdenken kann, beseelten mich Abenteuerabfahrt und eine unbändige Sehnsucht nach Unabhängigkeit, Wesenszüge, die denn auch mein ganzes bisheriges Leben mitbestimmten… Von jeher galt mir Freiheit als das Höchste.
Hier in meiner zweiten Heimat Berlin folge ich weiter meinem Praktikum in Frieden. Alles ist gut und ich vertraue darauf, dass mir der Prozess des zukünftigen Lebens etwas Gutes bringt. Bald trete ich eine neue Arbeitsstelle an und befreie mich von jeglichem Ärger.
Ich habe viel erfahren über das Hotel Gran Palace in San Agustin und über viele Praktikanten, die aus verschiedenen Ländern kamen. Jeder versuchte, dem anderen seine Position stärker zu verdeutlichen. Ich bin auch viel gewandert und habe ziemlich viel über diese Insel erfahren… Etwas, das nach meiner Erfahrung wirklich bemerkenswert und einzigartig ist. Ein Mensch auf einer einsamen Insel. Wer dieses Manuskript in einer Flasche fände, könnte alles lernen, was er wissen müsste, um sein Leben meisterhaft zu gestalten.
Es geht um Leben am Rande des Abgrunds, aber auch im Licht. Ich habe fest gestellt, wo Licht ist, ist auch Schatten. Ich habe immer dieselben Ansichten und großes Interesse mit ganzem Herzen die praktischen Dinge zu erfahren, so selbstverständlich wie eine Mutter den Kindern dient, ohne ihre Liebe in die Welt hinauszuposaunen, erreicht man Glück und Frieden nur mit Liebe und Güte.
Wer in fremde Länder geht, muss Fähigkeiten neu erwerben, so kam ich kräftiger zurück. Darum habe ich meine Reise in einem Arabischen Buch weiter beschrieben und deute so ein Stück Reisegeschichte an.
Mit freundlichen Grüßen an alle Leser des Blog
Amina Grossgott
Themen: ESF, Praktikum, Teilnehmer berichten | 1 Kommentar »
8. April 2010 - 22:50
Liebe Amina,
vielen Dank fuer den poetisch, ausfuehrlichen Bericht, auch fuer die tollen Bilder! Wir, die mit dem Praktikum zu tun hatten, wissen was du meinst. Die anderen können hinterfragen und ich freue mich immer wieder auf diese Art mitzureisen!
Bis bald
Herzliche Gruesse
Helen